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Biographie

1961Geboren in Dornbirn, Vorarlberg
1975–1980HTL Mödling, Abteilung für Innenausbau
1982–1984Architekturstudium an der TU Innsbruck
1984–1992Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien
Meisterklasse für Architektur bei Prof. Timo Penttilä Diplom mit Auszeichnung
1989Feldforschung in Nepal, Thema “Anonyme Architektur” in Zusammenarbeit mit Ulrich Burtscher und Thomas Türtscher
Präsentation der Forschungsarbeit in Form von Zeichnungen
Ausstellungen in Wien, Innsbruck und Feldkirch
1997Gründung Architekturhalle
2004–2005Ausbildung Sonanztherapie nach Peter Cubasch
seit 2010Teilnehmer an der ART DIDACTA Innsbruck bei Eva Bodnar, Walter Strobl und Bogdan Pascu
seit 2016Teilnehmer im Hoke Werkhaus Saager bei Robert Morianz und Bruno Wildbach

Laudatio zur Ausstellung Fragmente

Verfasserin und Kuratorin Dora Iliova

„Der Künstler hat nicht die Aufgabe, irgendeine allgemein anerkannte Weltanschauung zum Ausdruck zu bringen, sondern seine eigene, einmalige Art von Leben und Erfahrung so kraftvoll und entschieden wie möglich auszudrücken.“

Hermann Hesse

Dieses Zitat vermittelt sehr präzise die Haltung des schöpferischen Schaffens von Raimund Wulz. Die Art seines Arbeitens leitet sich aus seinem Inneren, stets in ehrlicher Auseinandersetzung mit dem was ist, mit dem was ihn im Moment berührt oder bewegt ab.

Als ausgebildeter und mit Leidenschaft praktizierender Architekt hat die Zeichnung im Leben von Raimund seit jeher eine besondere Bedeutung. Während 30 Jahren Berufserfahrung sind neben den Projektskizzen viele Freihandstudien entstanden.

Seine Architekturausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien hat er mit Auszeichnung abgeschlossen. Die prägendste Erfahrung aus dieser Zeit ist seine Studienreise nach Nepal. Gemeinsam mit vier Freunden – drei Architekturstudierende und eine Malereistudentin – hat er drei Monate auf 3700 m in einem tibetanischen Dorf verbracht.

Diese Reise hat nicht nur seine Haltung zur Architektur und Baukultur bestimmt, sondern auch seine Haltung zum Leben, zum Dasein und zu den Wertigkeiten im Leben insgesamt. Während dieser Zeit hat seine Anschauung zu Architektur, sein Verständnis zum Raum, zur Kultur und Spiritualität eine gänzlich neue Bedeutung bekommen.

In Nepal entstanden viele Freihandskizzen und Zeichnungen. Viele davon sind im Taragon Museum in Kathmandu ausgestellt und dienen als einzigartiges Dokument des baukulturellen Reichtums von Nepal. Sie sind der Öffentlichkeit zugänglich und haben den Zweck, über die Bedeutung des anonymen Bauens ein Bewusstsein für diese besondere Qualität zu entwickeln.

Aktzeichnen ist eine weitere Tätigkeit, welche Raimund bereits seit seinem Studium regelmäßig in seine Freizeit integriert. Das Studium des menschlichen Körpers, die Überlagerung von Bewegungsabläufen im Raum, sind Grundlagen, die er in wöchentlichen Abständen praktiziert. Zarte, präzise Bleistiftzeichnungen wechseln sich ab mit gänzlich von Gestalt befreiten Tuschearbeiten, die den Ausdruck des Wesens in völlig freier Form zu Papier bringen. „Am besten gelingt es, in die Zeichnung einzutauchen, wenn der Kopf gänzlich ausgeschalten ist, wenn die Hand den Bewegungen aus dem Inneren zu folgen beginnt“, so der Künstler. Der Prozess des Aktzeichnens ist dann eine Art Improvisation – ähnlich wie in der Musik – denn sobald die Proportionen verinnerlicht sind, ist eine gänzlich neue und freie Ausdrucksart möglich.

Im Sommer 2016, während eines Sommerkurses im Hoke Werkhaus in Saager, hat Raimund Wulz seinen persönlichen Zugang zur Malerei gefunden. Hier hat er eine völlig neue Dimension des künstlerischen Schaffens für sich erarbeitet. Er fand die Freiheit, sich aus dem Realen zu lösen, aus dessen Struktur und Ordnung auszubrechen, das Gegenständliche aus dem tiefsten Inneren auf der Leinwand aufleben zu lassen.

„Ich suche nicht, ich finde.
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen
und das Findenwollen von bereits Bekanntem.
Finden, das ist das völlig Neue.
Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.
Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die in der Ungewissheit, Führerlosigkeit geführt werden,
die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen.
Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen:
Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens
doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.“

Pablo Picasso

Mit Aufregung, Spannung, fast neuralgischer Ehrfurcht beginnt der Schöpfungsprozess jeder einzelnen Arbeit. Linien und Flächen überlagern sich, indem Gefühle und Emotionen präsent sind. Es entsteht ein Dialog zwischen dem Künstler und dem „großen Ganzen“. Das Unbewusste bekommt Raum und materialisiert sich…

Es geschieht in einem sehr intensiven Schaffensprozess bei absoluter Hingabe und Selbstauflösung, indem die Hand über das stetige Tun eine neue Harmonie und Ordnung gestaltet.

Themen wie Tod, Auferstehung, Abschied, Trauer, Liebe, Familie, Transzendenz sowie Sehnsucht nach der Ferne, nach dem geheimnisvollen Nepal, lassen Motive entstehen.

….. wie der Rhythmus der Drehung von Gebetsmühlen, der unzähligen Wiederholungen von Mantras, die aus diesen Gefühlen heraus Gestalt annehmen…

Das zeitlich knappe hintereinander folgende Ableben seiner Mutter und zwei ihrer Geschwister hat viele Zusammenhänge im Abschiednehmen, aber auch in der Frage des danach – die in der Bedeutung vom Tod und Auferstehung verwebt sind – aufgeworfen.

Ebenso werden in der künstlerischen Arbeit von Raimund viele Themen, Schwerpunkte und Missstände unserer Welt und Gesellschaft verarbeitet. Wie zum Beispiel die unmöglichen Lebensbedingungen von Kindern und Menschen, welche den Mittelpunkt des Films „Salz der Erde“ prägen. Sie finden Raum in großformatigen Bildern der gleichnamigen Serie. Während die Gedanken und Gefühle um diese Missstände, den Schmerz, die Hilflosigkeit und Ratlosigkeit kreisen, zeichnet die Hand diese Geschichten und lässt Figuren, Symbole und Farben entstehen, welche zu einer inneren Auflösung der Gefühle führt und Abstand zu diesen schafft.

Die Architektur hat immer einen starken Einfluss auf die Malerei von Raimund Wulz – denn daraus ergibt sich eine fruchtbare Dynamik. Das Schöne verwebt sich in warmen Nuancen, die Bilder leben über die Überlagerungen vieler Schichten, die Tiefe der Farbflächen und strahlen in einer eigenen Ausdruckskraft. Erdpigmente, Asche, Leim mit Kleister sowie Bitumen bilden Grundlage für eine ganz eigene experimentierfreudige Herangehensweise.

„Die Schönheit in der Kunst schließt das Gegensätzliche ein und heißt Wahrheit“ sagte Nikolaus Harnoncourt

“Kunst ist eine Sprache, die Verborgenes aufdeckt, Verschlossenes aufreißt, Innerstes fühlbar macht, die mahnt – erregt – erschüttert – beglückt. … „

Nikolaus Harnoncourt

Die Malerei bietet Trost, schenkt Mut, zeigt Wege, schenkt Liebe, deckt Verborgenes auf – weil sie echt und authentisch ist – Sie kommt aus dem tiefsten Unterbewusstsein und zeigt die unmittelbare Wahrheit von Raimund Wulz.